Von der Hysterie hochbegabter Eltern

Posted in Gedanken by S.M. on 16/08/2014

Neulich hat mich mein Vater, der mit über 50 Jahren und seiner dritten Frau nochmal ein Kind gezeugt hat, aufgeregt angerufen und davon gesprochen, dass ich für meinen unsteten Leben- und Bildungsweg ja zu guterletzt gar nichts könne. Er habe einen entscheidenen Fehler gemacht, indem er meine Hochbegabung nicht erkannt und mich meinem trüben Schiksal einfach so überlassen habe. Wie er denn darauf komme, wollte ich wissen.
Seiner kleinen Tochter sei bei der letzten Routineuntersuchung vor der Einschulung eine überdurchschnittliche Intelligenz und Entwicklung attestiert wurden (der Wert solcher Untersuchungen sei mal dahingestellt). Diese müsse man nun weiter untersuchen und kategorieren, gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu treffen, damit das Kind nicht irre würde. Da, so mein Vater, sei ihm ein Licht aufgegangen, denn ich hätte mich in diesem Alter ganz genauso verhalten und mich habe man ja nicht untersucht und überhaupt nicht gefördert und gefordert. Natürlich, so die Selbstdiagnose, sei mein Vater selbst auch mit Hochbegabung geplagt und nun haben wir alle den Salat. Unser ausuferndes Interesse an ALLEM mache uns das Leben, das Pragmatismus und Stringenz verlange, zu einem geradezu undurchdringlichen Dschungel. Ständig werden Dinge angefangen und nicht zu Ende gebracht, weil immer irgendetwas interessanter ist. Wir hätten nicht gelernt, unsere Ressourcen und Interessen zu strukturieren und gezielt einzusetzen.
Auch wenn mich das ganze vielleicht beunruhigen sollte, bin ich meinem Vater dankbar, dass er sich nun ganz von selbst eine Ausrede für mein ewiges Studieren ausgedacht hat. Halleluja.

Was hilft mir mein Studieren
die Schulen absolvieren
bin doch ein Sklav, ein Knecht
ach Himmel, ist das recht?

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